Praxiswissen
ChatGPT in der Ausbildung
ChatGPT ist im Ausbildungsalltag angekommen. Diese Seite zeigt dir konkrete Anwendungsfälle mit Einordnung nach der ADM KI-Ampel, eine Checkliste für eure Spielregeln und Antworten auf die Fragen, die in Ausbildungsbetrieben immer wieder gestellt werden.
Stand: 11. August 2026
Typische Ausgangslagen
- Auszubildende arbeiten mit ChatGPT, oft über private Konten und ohne Absprache.
- Ausbildende wissen nicht, wie sie Arbeitsergebnisse bewerten, bei denen KI mitgewirkt hat.
- Es ist unklar, welche Daten in den Chat dürfen und welche keinesfalls.
- Berichtshefte und Präsentationen wirken glatt, der eigene Denkweg bleibt unsichtbar.
- IT und Datenschutz wurden bisher nicht eingebunden, obwohl das Werkzeug längst genutzt wird.
Beobachtbare Ergebnisse
- Ausbildende können Anwendungsfälle sicher einordnen und begründen ihre Entscheidung.
- Auszubildende nutzen ChatGPT als Lernwerkzeug und nicht als Abkürzung.
- Es gibt eine klare Aussage, welche Daten nie eingegeben werden.
- Arbeitsergebnisse machen sichtbar, wo KI unterstützt hat und wo eigene Leistung steckt.
- Zweifelsfälle laufen über benannte Ansprechpersonen statt über Bauchgefühl.
Konkrete Anwendungsfälle mit Einordnung
Eingeordnet wird immer der Anwendungsfall, nicht das Werkzeug. Bei Gelb, Orange und Rot steht dabei, welche menschliche Kontrolle nötig ist.
Fachbegriffe einfach erklären lassen
Auszubildende lassen sich einen Fachtext in einfacher Sprache erläutern und stellen Rückfragen, bis sie den Inhalt verstanden haben.
Kontrolle: Inhalt gegen die Fachquelle oder das Lehrmaterial gegenprüfen.
Übungsaufgaben und Quizfragen erzeugen
Ausbildende erstellen Übungsfragen zu einem Lernfeld und variieren Schwierigkeitsgrade für unterschiedliche Lernstände.
Kontrolle: Fachliche Richtigkeit vor dem Einsatz prüfen.
Rollenspiel für Kundengespräche
ChatGPT übernimmt die Kundenrolle, Auszubildende trainieren Gesprächsführung und Einwandbehandlung.
Kontrolle: Nachbesprechung durch Ausbildende, keine echten Kundendaten verwenden.
Entwurf für eine Präsentation strukturieren
Gliederung und Argumentationslinie werden vorgeschlagen, der Inhalt kommt aus dem Betrieb.
Kontrolle: Eigenanteil muss erkennbar bleiben, KI-Unterstützung wird gekennzeichnet.
Berichtsheft formulieren
Stichpunkte werden zu ganzen Sätzen ausformuliert.
Kontrolle: Nur eigene Tätigkeiten beschreiben, Text vor Abgabe selbst prüfen und verantworten.
Feedback zu einer Arbeitsprobe einholen
Auszubildende lassen sich Hinweise zu Aufbau und Verständlichkeit geben.
Kontrolle: Human in the loop: Die fachliche Bewertung bleibt bei den Ausbildenden.
Betriebliche Unterlagen zusammenfassen
Arbeitsanweisungen oder interne Dokumente sollen verkürzt werden.
Kontrolle: Vorher klären, ob die Inhalte vertraulich sind und welches Konto genutzt werden darf.
Leistungen von Auszubildenden bewerten lassen
Noten, Beurteilungen oder Eignungsaussagen sollen von der KI vorgeschlagen werden.
Kontrolle: Bewertungsentscheidungen treffen Menschen. Der EU AI Act ordnet Bewertung im Bildungskontext streng ein.
Personenbezogene Daten eingeben
Namen, Krankmeldungen, Beurteilungen oder Kundendaten werden in den Chat kopiert.
Kontrolle: Nicht zulässig. Daten vorher entfernen oder ersetzen.
Prüfungsleistungen erstellen lassen
Ein Projektbericht oder eine Prüfungsaufgabe wird vollständig generiert.
Kontrolle: Verstößt gegen den Zweck der Ausbildung und gegen Prüfungsordnungen.
Die ADM KI-Ampel unterstützt die betriebliche Ersteinschätzung. Sie ersetzt keine rechtliche Einzelfallprüfung.
Checkliste für eure Spielregeln
Acht Fragen, die eure Leitlinie zu ChatGPT beantworten sollte. Wer sie im Team durchgeht, hat die Kernaussagen bereits beisammen.
- Welche Konten sind erlaubt: betrieblicher Zugang oder privates Konto?
- Welche Daten dürfen nie eingegeben werden?
- Für welche Lern- und Arbeitssituationen ist die Nutzung ausdrücklich erwünscht?
- Wo ist die Nutzung ausgeschlossen, insbesondere bei Prüfungs- und Bewertungsleistungen?
- Wie wird KI-Unterstützung gekennzeichnet?
- Wer prüft Ergebnisse und wer entscheidet im Zweifel?
- Wie wird der eigene Denkweg sichtbar gemacht, etwa durch Zwischenstände oder Erläuterung im Gespräch?
- Wer gibt neue Werkzeuge frei und wann wird die Regel überprüft?
Häufige Fragen
- Sollten wir ChatGPT in der Ausbildung verbieten?
- Ein pauschales Verbot verlagert die Nutzung ins Private und verhindert Kompetenzaufbau. Sinnvoller ist die Einordnung des konkreten Anwendungsfalls: Was ist erwünscht, was ist zu prüfen und was ist ausgeschlossen.
- Dürfen Auszubildende ihr privates Konto nutzen?
- Das solltet ihr aktiv entscheiden und schriftlich festhalten. Wichtig ist in jedem Fall, dass keine personenbezogenen Daten, Kundendaten oder Betriebsgeheimnisse eingegeben werden.
- Wie erkenne ich, ob ein Text mit KI geschrieben wurde?
- Erkennungswerkzeuge sind unzuverlässig und liefern Fehlalarme. Verlässlicher sind Aufgabenformate, die den Denkweg sichtbar machen: Zwischenstände, kurze Erläuterung im Gespräch, Bezug auf den eigenen Betrieb.
- Darf ChatGPT bei der Bewertung helfen?
- Bewertungsentscheidungen bleiben bei Menschen. Als Anregung für Formulierungen kann ein Werkzeug unterstützen, die Beurteilung selbst und ihre Begründung verantworten die Ausbildenden.
- Was hat der EU AI Act damit zu tun?
- Artikel 4 verlangt ausreichende KI-Kompetenz bei allen, die KI-Systeme im Auftrag des Unternehmens betreiben oder nutzen. Für Ausbildungsbetriebe heißt das: befähigen, nicht nur regeln.
- Womit fangen wir am besten an?
- Mit drei bis fünf Anwendungsfällen aus eurem Alltag. Ordnet sie ein, haltet die nötige Kontrolle fest und macht daraus eine kurze schriftliche Regel.
Die Inhalte dienen der fachlichen Orientierung und ersetzen keine individuelle Rechtsberatung. Rechtslage und technische Systeme werden regelmäßig aktualisiert.
Wie soll ChatGPT bei euch genutzt werden?
Im Orientierungsgespräch schauen wir auf eure Anwendungsfälle und klären, welche Regeln, Freigaben und Prüfschritte dazu passen.
