Praxiswissen
KI-Leitlinien im Ausbildungsbetrieb
Klare Spielregeln nehmen Unsicherheit aus dem Ausbildungsalltag. Diese Seite zeigt dir, woraus eine tragfähige KI-Leitlinie besteht, wie du sie mit IT, Datenschutz und Mitbestimmung abstimmst und wie sie im Betrieb tatsächlich ankommt.
Stand: 11. August 2026
Typische Ausgangslagen
- Auszubildende nutzen KI längst, es gibt aber keine verbindliche Regel dazu.
- Ausbildende bewerten Arbeitsergebnisse unterschiedlich, weil unklar ist, was erlaubt ist.
- IT und Datenschutz werden erst gefragt, wenn ein Werkzeug bereits im Einsatz ist.
- Bestehende Betriebsvereinbarungen sagen nichts zur Nutzung in Lern- und Prüfungssituationen.
Beobachtbare Ergebnisse
- Eine schriftliche KI-Leitlinie, die auf zwei Seiten passt und im Alltag gelesen wird.
- Eine Liste freigegebener Werkzeuge mit klarer Zuständigkeit für Freigabe und Widerruf.
- Eine gemeinsame Sprache mit IT, Datenschutz und Mitbestimmung über die ADM KI-Ampel.
- Eine einheitliche Kennzeichnungspflicht für KI-Unterstützung in Arbeits- und Lernergebnissen.
- Benannte Ansprechpersonen für Zweifelsfälle statt informeller Einzelentscheidungen.
Sieben Bausteine einer KI-Leitlinie
Die Reihenfolge hat sich in der Praxis bewährt. Jeder Baustein passt auf wenige Zeilen.
1. Zweck und Geltungsbereich
Für wen gilt die Leitlinie, für welche Lern- und Arbeitssituationen und ab wann.
2. Freigegebene Werkzeuge
Welche Systeme mit welchen Konten genutzt werden dürfen und wer neue Werkzeuge freigibt.
3. Einordnung nach der ADM KI-Ampel
Nicht das Werkzeug, sondern der konkrete Anwendungsfall wird eingeordnet: Nutzen, Prüfen, Klären, Stoppen.
4. Daten und Vertraulichkeit
Welche Daten nie eingegeben werden, insbesondere personenbezogene Daten, Kundendaten und Betriebsgeheimnisse.
5. Human in the loop
Wer Ergebnisse prüft, wer entscheidet und wie diese Prüfung nachvollziehbar dokumentiert wird.
6. Kennzeichnung und Bewertung
Wie KI-Unterstützung sichtbar gemacht wird und wie Leistungen in der Ausbildung dann bewertet werden.
7. Kompetenz und Aktualisierung
Wie Ausbildende und Auszubildende befähigt werden und in welchem Rhythmus die Leitlinie überprüft wird.
Die ADM KI-Ampel unterstützt die betriebliche Ersteinschätzung. Sie ersetzt keine rechtliche Einzelfallprüfung.
Ablauf in fünf Schritten
1. Bestandsaufnahme
Anwendungsfälle sammeln, die im Ausbildungsalltag wirklich vorkommen, und offene Fragen benennen.
2. Einordnung
Jeden Anwendungsfall mit der ADM KI-Ampel bewerten und die nötige menschliche Kontrolle festhalten.
3. Abstimmung
IT, Datenschutz und Mitbestimmung früh einbinden, damit die Leitlinie später trägt.
4. Verabschiedung
Kurzfassung schreiben, Zuständigkeiten festlegen und die Leitlinie im Betrieb bekannt machen.
5. Transfer
Ausbildende und Auszubildende befähigen, Zweifelsfälle sammeln und die Leitlinie nachschärfen.
Passende Zielgruppen
- Ausbildungsleitungen, HR und Personalentwicklung
- Ausbilderinnen und Ausbilder
- Geschäftsführungen in Ausbildungsbetrieben
- IT, Datenschutz und Mitbestimmung als beteiligte Stellen
Häufige Fragen
- Reicht eine allgemeine KI-Richtlinie aus dem Unternehmen?
- Meist nicht vollständig. Unternehmensrichtlinien regeln die Arbeit, nicht das Lernen. In der Ausbildung geht es zusätzlich um Prüfungsnähe, Bewertung, Aufsicht und den Kompetenzaufbau von Auszubildenden. Eine kurze Ergänzung für die Ausbildung ist in der Regel sinnvoll.
- Wie lang sollte eine KI-Leitlinie sein?
- So kurz, dass sie gelesen wird. Zwei Seiten Kernaussagen mit einer Anlage für freigegebene Werkzeuge und Beispiele funktionieren im Alltag besser als ein umfangreiches Regelwerk.
- Dürfen wir Werkzeuge pauschal verbieten?
- Ein pauschales Verbot verlagert die Nutzung meist ins Private und verhindert Kompetenzaufbau. Sinnvoller ist die Einordnung des konkreten Anwendungsfalls und eine klare Aussage, welche Daten nie eingegeben werden.
- Wer sollte die Leitlinie verantworten?
- Die Ausbildungsleitung gemeinsam mit IT und Datenschutz. Wichtig ist eine benannte Person, die neue Werkzeuge freigibt und Zweifelsfälle entscheidet.
- Wie oft muss die Leitlinie aktualisiert werden?
- Ein fester Prüftermin pro Jahr ist die Untergrenze. Zusätzlich immer dann, wenn ein neues Werkzeug eingeführt wird oder sich der Rechtsrahmen ändert.
Die Inhalte dienen der fachlichen Orientierung und ersetzen keine individuelle Rechtsberatung. Rechtslage und technische Systeme werden regelmäßig aktualisiert.
Wollt ihr eure KI-Leitlinie aufsetzen?
Im Orientierungsgespräch klären wir, welche Regeln, Freigaben und Prüfschritte zu euren Systemen und Rollen passen.
